Von Taroudant nach Essaouira

Header nach Essaouira

Eigentlich wollte ich heute Abend noch ein letztes Mal am Pool der Villa Talaa sitzen und das Abendessen genießen. Es blitzt und donnert aber gewaltig in der Umgebung und so erscheint es ratsam sich in den Speisesaal des Restaurants zu begeben. Während ich auf den ersten Gang des Menüs warte, beschleichen mich erste Zweifel ob es eine gute Idee ist morgen wieder Richtung Ouarzazate zu fahren. Die Route National ist zwar sehr gut ausgebaut, aber Brücken sind, wie so oft, Mangelware in Marokko. Meistens wird die Straße an einem Bach oder Flusslauf einfach gekennzeichnet und wenn man Pech hat fließt Wasser, wenn mal viel Pech hat ein Fluss. Dann ist es unmöglich die Stelle zu passieren.

Vor dem zweiten Gang entschließe ich mich, nicht mehr in die Berge zu fahren und fünf gerade zu sein lassen. Man muss Marokko nicht in 3 Wochen komplett durchfahren. Das ist schlicht und ergreifend unmöglich, also in meinen Augen (und das soll was heißen). Ich werde wieder in Richtung Agadir / Atlantik cruisen und in mein geliebtes Essaouira fahren. Da weiß man, was man hat.

Vor dem dritten Gang merke ich, dass die beiden jungen Damen am Nebentisch aus Deutschland kommen. Die ersten Landsleute seit langem, aber man spricht nicht miteinander. Dafür lästere ich mit Jahmed, dem Restaurantleiter, über die Deutschen und ihre nichtvorhandenen Französisch Kenntnisse. Wir müssen beide viel und laut lachen, die Damen am Nebentisch schauen leicht pikiert. Hauptsache die Männer haben ihren Spaß, und den hatten wir.

Das Frühstück am Pool ist opulent, die Sonne lacht von einem wolkenlosen, tiefblauen Himmel und ich bin froh, dass ich gestern noch ein Hotel in Essaouira gebucht habe. Wer weiß, auf was für dumme Gedanken ich sonst wieder gekommen wäre. Den Aufenthalt in der Domaine beim Patron bezahlt und es fällt echt schwer diesen gastlichen Ort zu verlassen. Für die Bewertung in Booking gibt es von mir eine glatte Zehn, ich habe nichts auszusetzen, es war einfach perfekt.

Nach Agadir wähle ich diesmal die Schnellstraße, viel zu sehen gibt es hier im Tal des Souss eh nicht. Große Gewächshäuser säumen teilweise die Straße, aber das gibt es auch in Europa. Nochmal zu den Gewittern von gestern Abend. Bei Taroudant fährt man über eine Brücke, welche den Souss überspannt. Ein Hauch von einem Rinnsal um diese Jahreszeit. Allerdings stehen reichlich viele Leute auf der Brücke und ich halte kurz an um zu sehen was los ist. Ich habe so etwas noch nie erlebt! Auf einer Breite von 50 vielleicht auch 100 Metern kommt eine breite Wasserwand den ausgetrockneten Fluss runter. Unglaublich, das ist der Regen von gestern. Die kahlen Berge halten kein Wasser zurück, es versickert nichts und das Wasser kann ungehindert abfließen.

Tief beeindruckt fahre ich weiter. Ein paar Kilometer weiter wird die Straße vierspurig, Autobahn ähnlich, lediglich ein tiefer Graben in der Mitte trennt die Fahrspuren. Das lässt sich schon mal gut an und verspricht zügig nach Agadir zu kommen. Aber schon ein paar Kilometer später staune ich erneut. Die Gegend ist topfeben, jedoch kommt aus dem Unterholz auf der anderen Seite ein Wasserschwall. Die gegenüber liegenden Fahrspur auf ca. 200-300 komplett überflutet und der Gegenverkehr muss anhalten. Der Graben in der Mitte ist auch schon fast geflutet. Lediglich einige Kinder haben ihren Spaß und waten in der knietiefen dunkelbraunen Brühe. Der Regen von gestern also auch hier. Woher das ganze Wasser kommt ist mir rätselhaft. Innerlich klopfe ich mir auf die Schulter und sage : Alles richtig gemacht – Jojo !

Agadir ist ein richtiger Moloch geworden, wo früher noch die Kamele waren sind heute Supermärkte, die üblichen Buletten Bräter und sonstige Errungenschaften westlicher Lebensweise angesiedelt worden. Mit Marokko hat das wenig zu tun, das könnte auch sonst wo sein. Ein Haufen Ampeln regelt den Verkehr, der seltsam unmarokkanisch dahin dahinschleicht. Die Polizisten stehen mehr oder weniger versteckt hinter den Palmen und „freuen“ sich über die teuren Lasermessgeräte. Also ist entspanntes Gleiten angesagt.

Das dritte Naturphänomen des Tages, dass ich erlebe. Mittlerweile ist es 34 Grad warm und ich tendiere zu den ersten Flüchen des Tages. Agadir liegt ja direkt am Meer, allerdings ist die vierspurige Umgehungsstraße auf der meerabgewandten Seite und hier steht die Luft. Allerdings nur bis zu dem Punkt, wo die Stadtautobahn in Richtung Meer schwenkt. Plötzlich sinkt das Thermometer der Tracer um satte 8 Grad und das während einer Distanz von ca. 5-6 Kilometer. Welch ein drastischer Temperatursturz, aber mich freut es. Es ist nun deutlich angenehmer zu fahren.

Als ich vor 4 Jahren von Agadir nach Essaouira gefahren bin, war kurz hinter Agadir Schluss mit Stadt. Jetzt traue ich meinen Augen nicht, es ist fast alles bis nach Taghazout mit Feriensiedlungen zugebaut. Taghazout war mal ein „Geheimtipp“ unter den Surfern dieser Welt. Ein traumhafter Strand am Atlantik und perfekte Wellen waren das Ziel der Wellenreiter (und wohl auch einige gesunde Kräuterzigaretten). Nun ist Kommerz pur angesagt und ich verschiebe die Cafépause auf später.

  • Taroudant nach Essaouira-28
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    Taroudant nach Essaouira-28

    Die Route von Agadir ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und für den Moto Fahrer auch nicht ganz ohne Reiz. Man, frau auch, fährt einige Kilometer direkt am Meer und genießt den Anblick auf die langen, meist leeren Strände. Dann windet sich die Straße durch ein ausgedehntes Dünengebiet den Berg hinauf. Dabei kann ich wieder das Spektakel beobachten, wenn kalte Meeresluft auf die warme Festlandsluft trifft. Dicke Nebelschwaden und dunkelblauer Himmel liegen dicht beieinander.

    Immer weiter windet sich die Strasse in den Hohen Atlas und das Thermometer steigt Grad um Grad. Bei 35 Grad ist dann Schluss und ich köchele wieder im eigenen Saft. Jedoch nähere ich Essaouira mit jedem Kilometer und kurz vor dem alten Mogador sinken die Temperaturen wieder. Schon taucht die Silhouette der Stadt am Horizont auf und ich freue mich mal wieder hier zu sein, insgesamt zum vierten Mal 

  • Essaouira 2
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    Essaouira 2

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  • Mittwoch, November 23, 2016 11807

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    Marokko 2016

    Natürlich gibt es was zu erzählen, wenn man ganz alleine nach Marokko mit dem Motorrad reist. Es war wieder ein unvergleichliches Erlebnis im nördlichen Afrika mit der Yamaha MT 09 Tracer seine Kreise zu ziehen. Die hohen schroffen Berge des Atlas und Antiatlas sind absolut faszinierend, ebenso die Weite der Wüste. Dazu noch etwas Kultur und relaxen am Meer. Da lohnt sich doch die weiteste Anfahrt. Wie es mir in Marokko so ergangen ist, habe ich in diesem Reisebericht zusammengefasst und meine Impressionen, Gefühle und Erlebnisse aufgeschrieben.

    Wen und wenn es interessiert … dann mal los!

    Sonntag, September 17, 2017 139

     

    Freitag, November 03, 2017 252